Gerhoch Reisegger

Wege aus dem Globalisierungs-Chaos×

Ausgehend von der US-Immobilienkrise, hat sich eine Weltfinanzkrise noch nie erlebten Ausmasses entwickelt. Sie hat inzwischen die Wirtschaft erreicht und bedroht unseren Wohlstand. Der betroffene Bürger fragt sich: Wie konnte es zu dieser Krise kommen? War sie nicht mit den Mitteln der modernen Finanztheorien zu vermeiden? Gibt es Schuldige im Hintergrund? Wer hat an dieser gewaltigen Umverteilung von unten nach oben verdient? Warum muss der Steuerzahler nun Hunderte von Milliarden Euro aufbringen, um den Zusammenbruch von Banken zu verhindern? Kündigt sich hier der Zusammenbruch des Kapitalismus an?

Diese Fragen und viele weitere beantwortet der Verfasser in dem vorliegenden Buch. Er beschreibt zunächst mit Angaben vieler Daten den ganzen Umfang der gegenwärtigen weltweiten Finanzkrise und ihren Ablauf. Dann stellt er dem Laien erst einmal die vielen Begriffe aus der Finanz- und Wirtschaftswelt vor, deren Kenntnis zum Verstehen der Zusammenhänge erforderlich ist. So erklärt er, was «Derivate» sind, wie bei ihnen mit «virtuellem Geld» (fiat money) gearbeitet wird. Er macht verständlich, wie gerissene Banker ohne jedes Kapital Riesenkredite vergeben konnten und daran masslos verdienten.

Ausführlich schildert er den Aufbau des Welt-Währungssystems und dessen Entwicklung in den letzten hundert Jahren. Er beschreibt die bewusst herbeigeführten historischen weltweiten Bankkatastrophen vor dem Ersten Weltkrieg wie Ende der zwanziger Jahre und zeigt das Gemeinsame an diesen Währungsmanipulationen und der jetzigen Krise auf. Ebenso werden Einführung sowie spätere Abschaffung des Systems von Bretton Woods mit der Golddeckung und festen Paritäten des Dollars erklärt und die Hintergründe dieses Abkommens vorgestellt.

Es wird auch das für einen Normalbürger schier Unglaubliche dargelegt, dass die Federal Reserve Bank (FED) in Washington, die für die US-Währung, bisher die Leitwährung der Welt, zuständig ist und allein das Recht hat, Dollar-Noten zu drucken, seit ihrer Gründung 1913 in privaten Händen ist und vom Staat nicht kontrolliert wird. Bezeichnenderweise hat sie seit einigen Jahren aufgehört, die Menge der ausgegebenen Dollar anzugeben, so dass niemand den Umfang der umlaufenden Dollarnoten kennt, der für deren Bonität aber entscheidend ist.

Ausführlich geht der Verfasser auch auf die Hintergründe und Zwecke für diese Eingriffe in die Währung ein. Seit der Aufgabe des Goldbestandes haben die USA offenbar beschlossen, ihre immensen Schulden im Ausland nicht mehr echt zu bezahlen, sondern durch im Grunde schon jahrelang wertlose Dollar zu begleichen, die in unvorstellbaren Mengen gedruckt wurden. Mit diesem nicht mehr gedeckten US-Geld würden seit einiger Zeit weltweit echte Werte wie Immobilien und Industrien aufgekauft. Die USA seien im Grunde schon längst bankrott: Die Deckung ihrer Währung sei die Drohung mit «Hiroshima» und mit dem Einsatz von Interkontinental-Raketen. Allein dadurch hätte Washington insbesondere Japan und China bisher davon abhalten können, dass diese Länder ihre grossen Dollarvorräte präsentieren, wodurch die USA sofort zahlungsunfähig würden.

Im abschliessenden Teil des Buches bietet der Verfasser eine ganzheitliche, organisatorische Wirtschafts- und Währungsordnung als Alternative zum herrschenden kapitalistischen System an. Dazu greift er auf Gedanken von Othmar Spann und Hjalmar Schacht zurück, auf bilaterale Wirtschaftsströme und regionale Entwicklungen, auf die Kritik des Zinses und die Möglichkeiten genossenschaftlicher Zusammenschlüsse. Eine auf Stabilität ausgerichtete Wirtschafts- und Geldpolitik für volklich begründete Solidargemeinschaften sollen eingeführt werden. Ein Wachstum solle nur in einem durch eine echte Wertschöpfung gedeckten Ausmass möglich gemacht werden.


Bezugsquelle

× Gerhoch Reisegger, «Wege aus dem Globalisierungs-Chaos», Hohenrein-Verlag, Tübingen, 2009, ISBN 978-3-89180-085-0