Editorial
Die einen sprechen von der «Büchse der Pandora», die andern von einer durch Dummheit motivierten «Anti-Gentech-Initiative». Tatsächlich geht es aber bloss um ein fünf Jahre dauerndes Moratorium, über das wir am 27. November abzustimmen haben. Auffällig ist, dass sich einmal mehr Befürworter zu Worte melden, deren Denken primär von wirtschaftlichen Überlegungen geleitet wird. Auch fehlt den Vorrednern der Kontrahenten fast immer das nötige Wissen und Erfahrung mit der Molekularbiologie. Also eine Pattsituation? Nein, die Gegner haben sich wenigstens eine gute Portion gesunden Verstandes bewahrt, was umgekehrt in Anbetracht einer weit fortgeschrittenen Umweltzerstörung und –schädigung kaum behauptet werden kann. Zu erinnern sei an die grundsätzlich ungelösten Probleme mit dem Atommüll, die Abholzung der für die Sauerstoffbildung unverzichtbaren Regenwälder und anderes mehr. Probleme, die wir uns aus ähnlicher Motivation wie jetzt wieder, selbst geschaffen haben. Auch die Vogelgrippe, über deren erschreckende Hintergründe wir in dieser Ausgabe berichten, sei erwähnt. Der Hinweis eines Befürworters auf «das strengste Gentechgesetz», das die Schweiz habe, überzeugt nicht. Bekanntlich hat die Schweiz auch die strengsten Tierschutzgesetze, die jedoch sträflich missachtet und Tierquälereien billigend in Kauf genommen werden.
Ernst Indlekofer