Spuren der Weltregierung

Spitzenpolitiker waren Mitverschwörer von Camaráte

In der portugiesischen Wochenzeitung o Diabo (der Teufel) vom 5. Januar 2005 wird in erfrischender Weise Klartext gesprochen. In einem Interview mit Oswald Le Winter, die frühere Nummer zwei des CIA in Europa, bezichtigt dieser zwei Spitzenpolitiker Portugals, Balsamão und Freitas do Amaral, der Gehilfenschaft an der Konspiration von Camaráte. Balsamão war Premierminister und Parteiführer der Sozialdemokratischen Partei Portugals. Freitas do Amaral stand an der Spitze der Christdemokratischen Partei Portugals und war später Generaldirektor der UNO. Die Verschwörung hat ihren Namen vom Vorort Lissabons, Camaráte, in welcher am 4. Dezember 1980 das Flugzeug mit dem damaligen Premierminister Sá Carneiro und dem früheren Verteidigungsminister Amaro da Costa abstürzte. Beide fanden dabei den Tod. Das Interview des o Diabo mit dem früheren CIA-Agent, von dem wir eine gekürzte Aufzeichnung bringen, führte Nuno Dias da Silva.*

 

O Diabo: Finden Sie weiterhin, dass die versteckte Macht der Geheimdienste über den demokratischen Kräften steht?

Oswald Le Winter: Meine Erfahrung lässt mich feststellen, dass die Geheimdienste, egal welchen Landes, eine Regierung innerhalb der eigenen Regierung sind und schliesslich eine eigene Aussenpolitik betreiben.

Existiert die Situation, welche Sie beschreiben lediglich in den USA?

Nicht nur dort, überall. Es ist Norm, dass die Geheimdienste unter der Kontrolle einer kleinen Gruppe von Personen stehen. […].

Sie kennen die Dynamik der amerikanischen Geheimdienste von innen und daher auch einige ihrer weniger gutzuheissenden Machenschaften. Was können Sie uns darüber erzählen?

Die amerikanischen Geheimdienste waren die Direktverantwortlichen der Morde an Olof Palme und Aldo Moro. Der schwedische Premierminister wurde ermordet, als er eine atomwaffenfreie Zone aushandelte. Falls es dazu gekommen wäre, hätte es den Zusammenbruch der NATO bedeutet. […]. Die als russisch bezeichneten U-Boote in schwedischen Gewässern waren reine Lüge; in Wirklichkeit waren es amerikanische U-Boote, welche die aus Kaliningrad [Königsberg] auslaufenden russischen U-Boote «ausspionieren» wollten.

Was geschah mit Aldo Moro, welcher 1978 tot aufgefunden wurde, nachdem er von den «Roten Brigaden» entführt worden war?

Aldo Moro war Anführer der Christdemokratischen Partei Italiens. Kissinger hatte ihm den Tod angedroht, falls er den «Compromisso histórico» der Regierung zwischen der Christdemokratischen Partei und den italienischen Kommunisten herbeiführe. Moro wurde von den «Roten Brigaden», den italienischen Linksextremen, umgebracht, die gegen diese Allianz waren. Der Mordbefehl kam jedoch vom amerikanischen Aussenminister [Kissinger].

Welche Rolle haben die Geheimdienste in den USA und der Welt?

[…]. Nach dem Angriff auf die «Zwillingstürme» [am 11.9.2001] sollte die CIA sich der Suche und Festnahme von Osama Bin Laden widmen, was nichts als eine grosse Finte war, weil sie seit langem wissen, wo er sich versteckt. Wir sollten nicht vergessen, dass Bin Laden von der CIA aufgebaut wurde. Ich bildete ihn in Afghanistan aus und im vergangenen Jahr besuchte ich ihn, irgendwo in den Bergen dieses Landes.

Über was sprachen Sie mit ihm?

Ich fragte ihn, ob er etwas mit dem 11.9. zu tun gehabt hätte, was er verneinte: «Wir versuchten mitzuteilen, dass wir nichts mit dem Attentat zu tun hatten, aber niemand glaubte es und die USA selbst bestehen darauf, dass wir etwas damit zu tun gehabt hätten», sagte er mir. Durch die Reklame, welche Washington über ihn und die Al-Qaida machte, erzählte er mir, wollte sich eine «Legion» Bereitwilliger der Sache anschliessen, und Mäzene erklärten sich sofort bereit, die Organisation zu finanzieren.

Kann Al-Qaida als Multinationale des Terrorismus bezeichnet werden?

Keinesfalls. […].

Ist Ihrem Wissen nach ein grosses Attentat in Europa oder Amerika geplant?

Das glaube ich nicht. Ich denke auch nicht, dass die Al-Qaida etwas mit dem «11. März» zu tun hatte. Die Bomben im Madrider Bahnhof Atocha waren von Marokkanern, gelegt worden. Die einzige wirkliche Hauptstelle der Al-Qaida ist Al-Zarqaui und dessen Aktionen im Irak.

Wir leben in von den Medien geprägten Gesellschaften, wo die öffentliche Meinung durch das geformt wird, was die Medien verbreiten. Warum sagen Sie, dass einer der Hauptfeinde unserer Tage die Ignoranz1 ist?

Es ist die Ignoranz und die Dummheit. Die Medien haben eine Verpflichtung, welche sie nicht respektieren. Ich kenne kein einziges Land, wo eine der grossen Massenmedien das macht, was sie [gemäss ihrer moralischen Aufgabe] tun sollten. In Portugal ist der Expresso2 ein Beispiel dafür. Diese Zeitung hatte sich immer davor gedrückt, Themen zu bringen, welche ich zu meiner Zeit in Portugal diskutiert habe […]. Ich denke dies war von dem Moment an, als ich vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss3 aussagte, dass Balsemão gelogen hatte, als er erklärte, sich nicht an Kissingers Besuch in Portugal, wenige Wochen vor dem Tode Sá Carneiros und Amaro da Costas, erinnern zu können. Es ist nicht möglich eine reife Demokratie zu haben, ohne die öffentliche Meinung einer aufgeklärten Wählerschaft.

Gibt es in Portugal und Europa viele Medien, welche den Grossen Interessen verpflichtet sind?

Zweifelsohne! Sowohl der Macht als auch dem Geld. Ich kam 1974 nach Portugal und 30 Jahre danach stelle ich fest, dass alles beim alten geblieben ist. Euer Land hat eines der schlechtesten Erziehungssysteme Europas und die guten Spitäler, die Ihr habt, sind extrem schlecht organisiert – ja sogar chaotisch – üblich sind niedrige und miserable Löhne für die Arbeiter, und die Banken sind Eigentümer aller Güter. Das beginnt bei den Autos und geht weiter bis zu den Häusern, welche die Früchte von Bankdarlehen sind. Die Portugiesen sind wirkliche Sklaven ihres Bankensystems. […].

Welches ist die Haupteinnahmequelle des Reichtums unseres Landes?

Sie werden staunen, aber es sind die Steuern. Achten Sie auf die enorme Menge von Wohnungen und Villen, welche von Norden bis Süden entstehen. Die Liegenschaftspreise sind durch die Banken aufgebläht, um solchen Besitz wertvoll zu erhalten, da sie ja die [eigentlichen] Eigentümer der Häuser sind. Wenn der gewöhnliche Portugiese ein Haus kaufen will, muss er das Geld bei der Bank aufnehmen und sich dadurch für 30 oder 40 Jahre verschulden, oder seine jetzige und zukünftigen Generationen bleiben den Banken abgabepflichtig. Die Banken und Versicherungsgesellschaften sind die Eigentümer des Landes.

Ich sehe, dass Sie von Portugal enttäuscht sind. Warum?

Man hat mir für die Rolle, welche ich bei der Revolution vom 25. April [1974] hatte, als ich verhindert habe, dass sich diese in ein Blutbad verwandelt, nie die verdiente Anerkennung gegeben. Die «Intelligentsia» Portugals ist heute wie immer voller Schurken. […].

Sie sprachen hier schon von Balsemão, der ein Medienmogul ist. Ist er einer der mächtigsten Männer Portugals?

Zweifelsohne! Es ist nicht nur der Reichtum und die Macht. Er gehört zu einer der auserwähltesten Gruppe der Welt, die Bilderberger heisst; sie beeinflusst die zukünftige Politik und Wirtschaft fast aller Nationen der Erde. Man hat Lust zu fragen: wie kommt ein in der Weltszene bedeutungsloses Land wie Portugal dazu, ein Element in der Spitze der Bilderberger-Hierarchie zu haben? Es ist Balsemão, der entscheidet, wer was politisch in Portugal zu tun hat. Er «befahl» Durão Barroso4 nach Brüssel zu gehen, und er entschied bereits, dass der nächste Präsident Portugals Cavaco Silva sein wird.

Die kürzlich herausgegebenen Berichte der Parlamentarischen Untersuchungskommission haben bewiesen, dass ein Motiv für das Verbrechen von Camaráte ein Zusammenhang mit dem Waffenschmuggel gewesen sein könnte, worauf Sie sich ja berufen haben. Sind Sie jetzt zufrieden?

Es bestätigte sich, was ich 2002 vor der Untersuchungskommission gesagt habe. Doch man hat mir nie eine Medaille dafür gegeben.

Ist der Schlüssel zur Erklärung des Verbrechens in Camaráte der Waffenschmuggel des Westens nach dem Iran und Irak?

Klar! Erinnern Sie sich, dass die Ladungen im grossen Stil anfingen, als Balsemão Premierminister wurde. Balsemão und Diogo Freitas do Amaral nahmen an der Konspiration teil. Das Schwerwiegendste ist, dass es Beweise gibt und ich kenne einen Mann, der offizielle Dokumente mit dem Siegel der amerikanischen Geheimdienste hat, mit der Abschrift eines Telefongesprächs zwischen Balsemão und einem hohen Amtsträger der CIA in der Amerikanischen Botschaft in Lissabon, anlässlich welchem sie vom Mord an Sá Carneiro und Amaro da Costa gesprochen haben, mehrere Wochen bevor sich [d]er [Flugzeugabsturz] ereignete. Bloss verlangte diese Person zuviel Geld für die Dokumente, die ich nicht bezahlen konnte.

Amaro da Costa hatte vor, bei den Vereinten Nationen diese illegalen Waffenverkäufe anzuzeigen. Ist es nicht so?

Jawohl! Er hatte herausgefunden, dass die Ladungen von Setúbal aus [südöstlich von Lissabon] verschifft wurden.

Sócrates und Santana nahmen am letzten Treffen der Bilderberger in Italien teil. Nach Santana, dem Generalsekretär der Sozialistischen Partei Portugals, und mit den Plänen dieser Geheimgruppe einverstanden, soll er [wieder] der nächste Premierminister Portugals werden?

Es ist ziemlich gleich, ob es Sócrates, oder einmal mehr Santana sein wird, weil die Sozialistische Partei und die Sozialdemokratische Partei dieselbe Politik treiben. Sie machen beide das gleiche; die Leute betrügend, ergreifen sie die Strukturen der Macht. Haben die Sozialisten beispielsweise etwas für das Erziehungswesen gemacht, während all der Jahre in denen sie in der Regierung waren? Nichts!

Ich sehe schon, dass Sie nicht viel Sympathie für die Sozialisten haben…

Das hat mit ihren Handlungen zu tun. Es genügt, Ihnen ein einziges Beispiel zu geben: Mário Soares lebte in seinem Pariser Exil wie ein König. Er erhielt jeden Monat Geld von der CIA und Gefälligkeiten seiner zwei Freunde Carlucci und Kissinger. Das Geld der CIA reichte und reicht für alles Mögliche. Selbst CNN wurde mit dem Geld der Geheimdienste gegründet, um viele Reporter dem CIA zu «verpflichten». – Das gleiche gilt für [den Fernsehsender] Al Dschasira in Katar, der auch eine Gründung des CIA ist. Auch die Atlantakette, die Ted Turner gehört, folgte der regierenden Parteilinie, als sie nach dem «11. September» zur Station mit den meisten den Krieg befürwortenden Sendungen wurde. Die Medien haben die Pflicht zu informieren und nicht, politisch Stellung zu beziehen. Es gibt 400 Fragen über den «11. September», die noch nicht beantwortet sind.

Wer ist Le Winter?

Oswald Le Winter studierte in den USA, in Oxford (England) und an der Universität von Tübingen (Deutschland). Er trat 1950 dem Amerikanischen Militär bei. Als 2. Leutnant der «Rangers», kämpfte er in Korea, wurde verwundet, von den Chinesen gefangen genommen und war fast ein Jahr lang Kriegsgefangener. 1964 publizierte er seine akademische Arbeit «Shakespeare in Europa» mit welcher er den «American Philosophical Fellowship Award» gewann. Als Dichter mit veröffentlichten Werken, wurde er mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter dem ehrenvollen «Rilke Preis». Er diente im Militär und in der CIA bis 1985. Als letzte Position in der CIA hatte er die Funktion des Chefs der ITAC (Intelligence Threat Analysis Center) der NATO inne. Der Grad, den er erreicht hatte, als er sich zur Ruhe setzte, war der des Generalmajors.


Fussnoten

* Aus dem Portugiesischen übersetzt RD/ei.

1 Unwissen, meist aus mangelndem Erkenntnisdrang.

2 Der Expresso wurde von Pinto Balsemão gegründet.

3 Über die Möglichkeit, dass der Flugzeugabsturz ein Attentat sein könnte.

4 Durão Barroso war bis vor kurzem Premierminister Portugals, jetzt ist er Präsident der Europäischen Kommission.