Erste Mondlandung vor 35 Jahren:
eine historische Sensation

Am 16. Juli 1969 startete in Cape Kennedy die 111 Meter hohe Saturn 5 zur ersten bemannten Mondlandung. Die dreistufige Rakete trug an ihrer Spitze die kegelförmige Kommandoeinheit Apollo 11 mit den Astronauten Neil Armstrong (Kommandant), Michael Collins und Edwin «Buzz» Aldrin. Die Apollo bestand aus drei Teilen: der Kommandoeinheit – die in der Mondumlaufbahn blieb – und der Mondfähre, bestehend aus dem Landeteil und der Aufstiegsstufe. Die Startvorbereitung (Countdown) begann 28 Stunden vor dem Start und umfasste Tausende von Vorbereitungen und Funktionsprüfungen. Nach fast genau 100 Stunden landete die Mondfähre mit Armstrong und Aldrin am 21. Juli 1969 um 2.56 Uhr europäischer Zeit (Greenwich) auf dem Mond. Collins blieb in der Mondumlaufbahn. (Nach amerikanischer Zeit erfolgte die Mondlandung am 20. Juli 1969 um 22.56 Uhr.)

Der Flug folgte bis zum Einschuss in die Mondumlaufbahn einem ausgeklügelten Ablauf, der in jedem Moment abgebrochen werden konnte, um die Astronauten zur Erde zurückzuführen. Auch der Abstieg zum Mond nach einer neunstündigen Ruhepause in der Mondumlaufbahn lief nach vergleichbaren Prinzipien ab.

Nach der Landung sprach Armstrong die berühmten Worte: Das ist ein kleiner Schritt für einen Mann, aber ein grosser Sprung für die Menschheit. Kurz danach trieb er die Fahnenstange mit der amerikanischen Flagge (durch Drähte künstlich hochgehalten) in den unerwartet harten Mondboden. Aldrin stellte das von der Universität Bern entworfene und hergestellte Sonnenwindsegel auf, in welchem sich im Verlaufe der zwei Stunden Mondaufenthaltes einige Teilchen aus dem Sonnenwind verfangen sollten. Auch ein Seismometer, welches die Einschläge von Meteoriten und allfällige Erdbeben zur Erde melden konnte, wurde aufgestellt. Als drittes Gerät wurde ein Reflektor installiert, welcher einen von der Erde ausgesendeten Laserstrahl zurückspiegelt. Insgesamt wurden etwa 30 Kilogramm Gesteins- und Sandproben gesammelt und zur Erde gebracht. Nach zwei Stunden begaben sich die beiden an Bord der Mondlandefähre und bereiteten sich mit einer Essens- und Ruhepause auf den kritischsten Augenblick ihres gesamten Mondfluges vor: Den Rückstart vom Mondboden.

Nach dem Rendezvous der Aufstiegsstufe mit der Kommandoeinheit und dem Umsteigen erfolgte der 380’000 Kilometer weite Rückflug zur Erde, wo die drei Astronauten in der Kommandokapsel im Pazifik wasserten, um kurz darauf als Vorsichtsmassnahme in einem hermetisch verschlossenen Sicherheitsbehälter für drei Wochen in Quarantäne genommen zu werden. Damit wurde einer allfälligen Verseuchung der Erde mit Mondbakterien vorgebeugt.

Am Saturn-Projekt waren während mehr als 8 Jahren rund 300’000 Menschen in 20’000 Betrieben beteiligt. Die Saturn 5 inkl. dem 45 Tonnen schweren Apollo-Raumschiff – zylindrisches Geräteteil mit aufgesetzter 4,5 Tonnen schwerer, kegelförmiger Pilotenkabine – bestand aus gegen fünf Millionen Teilen mit einem Gesamtgewicht (inkl. der Treibstoffe) von 2’800 Tonnen. Jedes der fünf Triebwerke der ersten Stufe verbrannte pro Sekunde 15 Tonnen Treibstoff (RP-I, ein Kerosin) und flüssigen Sauerstoff (LOX, von liquid oxygen) als Oxydator. Die fünf Raketentriebwerke der zweiten Stufe verbrannten flüssigen Wasserstoff.

Führender Kopf des gesamten Projektes war der bereits als Zwanzigjähriger anerkannte deutsche Raketenfachmann: Prof. Dr. Wernher von Braun. Fast alle der am Apollo-Programm verantwortlich beteiligten Ingenieure und Techniker waren Deutsche, die im Rahmen der so genannten «Aktion Paperclip» nach dem Zweiten Weltkrieg nach den USA gebracht worden waren.

Fast zwölf Jahre früher, am 4. Oktober 1957, gelang es russischen Wissenschaftern und Technikern, einen 83,6 Kg schweren Erdsatelliten (Sputnik I) in die Umlaufbahn zu bringen. Ein Schock für die Amerikaner. In dieser Zeit pröbelten sie schon seit geraumer Zeit erfolglos mit ihren Vanguards-Raketen herum, bis sie dann, vom Erfolg der Russen aufgeschreckt, die Deutschen mit ihrer V-2-Erfahrung endlich die Redstone-Rakete bauen liessen. Am 1. Februar 1958 schossen die «Amerikaner» den ersten Satelliten von 13,5 Kg in eine Erdumlaufbahn («eine Orange», spottete der russische Präsident Nikita Chruschtschow). Von diesem Zeitpunkt an mobilisierten die Amerikaner unter Präsident John F. Kennedy alle Reserven, um den Abstand zu den Russen aufzuholen.

Die meisten Menschen verstehen nicht, warum die Russen als erste die Erde umkreisen konnten, von den Amerikanern dann aber mit der ersten bemannten Mondlandung geschlagen wurden. Als wichtigste Faktoren für das eine wie für das andere sind die amerikanischen Stützpunkte rund um die Sowjetunion und die dadurch bedingten unterschiedlichen Raketenbauweisen Amerikas und Russlands zu sehen. Während die USA mit Raketen mittlerer Reichweite die wichtigsten Zentren Russlands treffen konnten, mussten die Russen mehrstufige Langstreckenraketen bauen, um über Alaska hinweg den amerikanischen Kontinent erreichen zu können. Damit hatten sie die besseren Voraussetzungen, um als erste einen Erdsatelliten in die Umlaufbahn zu bringen. Andererseits hatten die USA in jener Zeit mit IBM, General Electric, Univac und Hewlett Packard bereits eine hochentwickelte Computerindustrie mit leistungsfähigen Rechnern, über welche Russland zu jener Zeit nicht verfügte. Schnelle Elektronenrechner mit Datenspeichern waren eine unabdingbare Voraussetzung für die Anwendung der Netzplantechnik, eines programmgestützten Rechenverfahrens, mit deren Hilfe die Komponenten der aus fünf Millionen Teilen bestehenden hochkomplexen Saturn 5 nach vorgegebenem Fahrplan fabriziert und termingerecht (just in time) abgeliefert werden konnten. Was man sich darunter vorzustellen hat, sei hier am Beispiel des Baus eines Hauses erläutert. Das Haus bestehe aus dem Keller, zwei Stockwerken und dem Dachstock. Das notwendige Material, die Arbeiter mit ihren Werkzeugen und Baumaschinen, müssen in der richtigen Reihenfolge bereitgestellt bzw. angeliefert werden: Zuerst der Bagger für den Aushub, am Schluss der Zimmermann und die Balken für den Dachstock, und nach ihm der Dachdecker und die Dachziegel. Angenommen, der soeben fertiggestellte Boden über dem zweiten Stockwerk stürzt ein, dann müssen der Zimmermann und Dachdecker mit ihrem Material sofort gestoppt und die Maurer, Gipser, Platten- und Bodenleger mit ihrem Material neu aufgeboten werden. Bei der Saturn 5 keine leichte Aufgabe, wenn sich ein kompliziertes Bauteil plötzlich als fehlerhaft oder ungenügend erweist. Nur eine computergestützte Netzplantechnik ist in der Lage, das gesamte riesige Räderwerk zu überwachen und zu steuern.

Seit vielen Jahren gibt es in den USA eine Schar von Leuten, die behaupten, das Mondlandeprogramm sei ein Schwindel gewesen. Tatsächlich hätte kein Mensch den Fuss auf den Mond gesetzt. Es handle sich um eine Verschwörung der US-Regierung, zusammen mit Tausenden von Raketenwissenschaftern. Am 15 Februar 2001 brachte Fox TV ein Programm mit dem Titel «Conspiracy Theory: Did we land on the moon?» (Verschwörungstheorie: Sind wir auf dem Mond gelandet?). Die Interviewten erklärten, was man damals den Menschen am Fernseher gezeigt habe, seien in Wirklichkeit Aufnahmen gewesen, die in Filmstudios und in der Wüste Nevada gemacht worden seien. Damit wurde auf jene weltberühmte «Area 51» verwiesen, eine Testbasis der US-Luftwaffe, die seit Ende des Zweiten Weltkrieges Dreh- und Angelpunkt der UFO-Verschwörungstheoretiker ist. Die US-Regierung habe nach dem Sputnik-Schock um jeden Preis beweisen wollen, dass sie besser seien als die Russen. Fast alle Argumente dieser Leute sind mit ein wenig Basiswissen leicht zu widerlegen. Ihre Ansichten sind auf Fehlinterpretationen und zumeist auf Nichtwissen zurückzuführen. Mehr dazu in VffG 4/2002 (siehe Fussnote). Wer die in den 60er und 70er Jahren erschienenen Bücher liest, in denen die Raketenentwicklung mit allen technischen Angaben, auch zu den Treibstoffen, die Flugbahn zum Mond (Ballistik, Gravitation) und der Abstieg auf diesen beschrieben sind, wobei Pannen, Probleme und Schwierigkeiten mit dem Apollo-Projekt nicht ausgespart blieben, ist überzeugt, dass die Mondlandungen jener Zeit Wirklichkeit sind. Es ist wie bei einer sehr langen und sehr komplizierten (mathematischen) Rechnung, deren Resultat man als richtig oder falsch erkennen kann. Wer sich auch davon nicht überzeugen lässt, sei daran erinnert, dass drei der sechs Apollo-Mondmissionen auf dem Erdtrabanten einen Laserspiegel zur Entfernungsbestimmung hinterlassen haben, mit dem man auch Mondbeben und ähnliche Unregelmässigkeiten der Mondbewegungen feststellen kann. Dank der Reflektoren ist es heute möglich, die Distanz zwischen Erde und Mond auf den Millimeter genau zu bestimmen. Nachzulesen bei E. Samain et al. «Millimetric Lunar Laser Ranging at OCA», 130, S. 235 – 244. Weltnetzadresse: www.edp sciences.com/articles/astro/full/1998/11/ ds1427/ds.html


Weiterführende Literatur