Editorial

Kürzlich äusserte eine ältere Schweizerin ihre Meinung, man habe den Eindruck, dass eine Verblödungswelle über die Schweiz hereingebrochen sei. Diese ganz sicherlich über das gesamte Parlament, und der blöde Bürger argumentiert ständig mit «do kaasch nüt mache!».

Diese Meinung der vermeintlichen Machtlosigkeit des Souveräns scheint auch ein grosser Teil unserer Leser einzunehmen. Auf unseren Aufruf, sich für die Organisation für Unterschriftensammlungen zu melden, reagierte kein einziger. Auf unsere Rezension des Buches «Die geheime Weltmacht» und die in der gleichen Ausgabe behandelte «Strafanzeige gegen die fehlbaren Bundesräte und Parlamentarier» wegen Landesverrat, welcher zufolge des Buches von Conrad C. Stein als nicht länger zu bezweifelnde Tatsache gesehen werden muss, ging erst jetzt nach über zwei Jahren der erste Leserbrief bei uns ein. Aber auch auf die Themen unserer letzten Nummer, «Privatisierung des Strommarktes» trotz Nein des Souveräns und zur «neuen Agglomerationspolitik», durch welche staatstragende Elemente der Schweiz zerstört werden, erhielten wir keinerlei Echo seitens unserer Leserschaft. Ähnlich sieht es mit vielen anderen Beiträgen aus, von denen einige doch wohl pausenlos zu reden geben müssten. Da hören wir immer wieder die Klage, die Tageszeitungen würden Leserbriefe ablehnen. Doch in diesen Zeitungen findet sich immer eine lebhafte Leserdiskussion über die zuvor erschienenen Themen. Müssen wir über Fussballspiele oder «Street»-Paraden von Lesben und Schwulen berichten, um die Meinung der Leser zu hören? Der Zustand der Passivität wird langsam unerträglich und wir fragen uns, über was denn sonst geschrieben werden soll, um wenigstens einen Teil der Leser aus ihrer Reserve zu locken. Recht+Freiheit ist nämlich vollkommen nutzlos, wenn die Leser in geruhsamer Passivität verharren, wohl in der irrigen Meinung, die anderen werden es schon richten. Man könnte ihre Herausgabe geradesogut versiegeln. Doch diesen Gefallen wollen wir den Totengräbern der Schweiz nicht tun.

Ernst Indlekofer