Kritischer Kommentar
zum Terroranschlag gegen die USA

Unerträglich ist die Scheinheiligkeit, mit der Israel auf seine lange Erfahrung mit dem Terrorismus hinweist und Amerika gönnerhaft den Ratschlag erteilt, dass hartes Zurückschlagen das einzige Mittel gegen den Terror sei. Dabei lenkt es davon ab, dass durch die ständige Verschärfung der Lage, bedingt durch die steigende Verzweiflung der Palästinenser, steigender Terror herangezüchtet wurde. Die Gunst der Stunde ausnützend wird nun militärisch in den besetzten Gebieten eingegriffen und die Reste der Infrastruktur zerstört. Erschreckend ist die Bösartigkeit, mit welcher mit harter Hand ständig atavistische Kollektivstrafen vollzogen und die Lebensgrundlagen der Palästinenser (Häuser, Olivenhaine etc.) zerstört werden. Die Wiedergutmachung solcher Zerstörungen, wenn es einmal dazu kommt, wird Milliarden betragen.

Präsident Bush entfacht nun in Amerika eine beispiellose Kriegshysterie. Er erhält alle Vollmachten und Milliarden Dollar. Tausende Reservisten werden aufgeboten. Das ist unbedachte Hektik. Wo bleiben die kritischen Stimmen, die zur Zurückhaltung mahnen? Zwar ist es medienwirksame Mode, Gefühle zu zeigen, aber den weinenden Bush am Fernsehen zu sehen, war doch sehr penibel. Bei den Terroranschlägen, auch wenn sie schlimm sind, handelt es sich nicht um einen Krieg, sondern um kriminelle Akte von Privatpersonen, die zunächst einmal mit polizeilichen Mitteln aufzuklären und gerichtlich abzuurteilen sind, bevor blindwütig mit Bomben und Raketen dreingeschlagen wird. Kein Land hat den USA den Krieg erklärt, die Attentäter sind tot. Bei einem Vergeltungsschlag gegen Afghanistan ist mit vielen unschuldigen Opfern zu rechnen. Dies würde die Muslime solidarisieren und in die Arme der Terroristen treiben. Es besteht Anlass zu grosser Sorge. Mit Racheaktionen wird das Problem nicht gelöst, sondern nur neuer Hass und Terrorismus geschürt. Ein solches Vorgehen ist eines zivilisierten Landes, welches auf Freiheit und Menschenrechte so grosses Gewicht legt, unwürdig. Ein zivilisierter Staat zeichnet sich gerade durch vernünftigen und massvollen Einsatz von Gewalt aus.