Editorial
Bundesrat Couchepin entblödete sich am 13. April in der Aula der Universität Basel mit der Rechtfertigung, man werfe dem Bundesrat vor, nicht den Kontakt mit dem Volk zu suchen, doch wenn er dies tue, werde ihm dieses Recht mit der Begründung abgesprochen, er verstosse gegen Bundesgerichtsentscheide. Den Kontakt mit dem Volk suchen bedeutet indessen nicht, die Bürger schamlos zu belügen. Am 15. April wurde Beschwerde gegen den Bundesrat eingereicht (siehe S. 2). Ähnlich arrogant verhält sich der Vorstand der AUNS. Unter den Mitgliedern herrscht Unzufriedenheit und helle Empörung. Der Vorstand diktiert 36’000 Mitgliedern die Marschrichtung für die Abstimmung vom 21. Mai 2000. Das Verhalten widerspricht klar der im Mai 1998 gefassten Resolution und den Zusagen im Vereinsblatt. Kein Wunder nennt die Zeitschrift Facts Blocher „einen falschen Patrioten“ (Facts Nr. 11 vom 16.3.2000). Wir vermeiden es in der Regel, uns lobend hervorzuheben. Heute soll eine Ausnahme gelten: Im April 1999 ermöglichten wir die Verteilung von mehr als 1 Mio. Informationsblätter zur Abstimmung über die neue Bundesverfassung. Ende 1999 haben wir das Referendum gegen die bilateralen Verträge unterstützt und 3’540 gültige Unterschriften in Bern eingereicht. In diesen Tagen wurden dank unserer Initiative mehr als 1 Mio. Informationsblätter zur Abstimmung vom 21. Mai in der deutschen und welschen Schweiz verteilt. Doch, was hat Blocher getan? Was hat die AUNS unternommen? Nichts, gar nichts! Oder halt, doch: Blocher hatte 1994 nach einem Schwenker von 180 Grad plötzlich das Antirassismusgesetz zur Annahme empfohlen! Wieviel Zeit wird noch vergehen, bis die Gutgläubigen begreifen, dass sie aufs falsche Pferd gesetzt haben?
Ernst Indlekofer